Berliner Pflanze / Kim Wilde

Kim Wilde

Aufregend, schrill und am Puls der Zeit: Weltweit stehen die achtziger Jahre für ein neues Lebensgefühl. Hippies und Rocker mussten Punks und Poppern weichen, die Jugendkultur gibt der Dekade ein neues Gesicht. Man hörte Brit-Pop und man hörte Kim Wilde: Kids in America, Cambodia, You Keep Me Hanging On oder You Came waren einige ihrer zahlreichen Hits, die zwischen 1981 und 1988 die internationalen Charts stürmten und zu Millionensellern wurden. Ihre Musik ist so eingängig wie vielfältig. Neben Songs, die von ihrem Bruder Ricky und ihrem Vater Marty Wilde geschrieben und arrangiert wurden und die Einflüsse von New-Wave, Synthpop und elektronischer Musik zeigen, finden sich auch zahlreiche Cover-Songs, die Musikstile von Pop, Soul, Funk und R&B mischten. Insgesamt zwölf Studio-Alben, mehr als 30 Singles und kommerzielle Erfolge in jeder wichtigen Musikindustrie weltweit folgten.

Kim Wilde | Berliner Pflanze - Interview

England rocks! Musik liegt in der Familie: Kim Wilde wurde 1960 in Chiswick, West London, als Tochter der 1950er Rock’n’Roll-Legende Marty Wilde und seiner Frau Joyce, einem Mitglied der Gruppe The Vernons Girls, geboren. Ende der 1990er Jahre kehrte sie dem Musikbusiness den Rücken und heiratete 1996 den Schauspieler Hal Fowler, ein Ensemble-Mitglied des Musicals Tommy, den sie am Set der Produktion im Londoner West End kennenlernte. Ihr Comeback als Popikone feierte Kim Wilde in den letzten Jahren mit neuen Alben wie Come Out And Play und Snapshots, mit denen sie international wieder auf Tournee geht. 

„Pop Star turned Gardener“ – mit dieser Schlagzeile in den BBC news überraschte Kim Wilde 2005 ihre Fans. Während sich viele Stars der achtziger Jahre in den Ruhestand verabschiedeten oder auf Revival-Touren an alte Erfolge anzuknüpfen versuchten, wartet Kim Wilde mit einem der ungewöhnlichsten Karriereverläufe in der Musikbranche auf. Sie startete neu und sehr erfolgreich als Gartengestalterin. 1998 wurde ihr Sohn Harry Tristan geboren und zwei Jahre später kam Tochter Rose Elisabeth zur Welt. Während ihrer ersten Schwangerschaft wandte sich Kim Wilde ihrem alten Hobby, der Gartenarbeit, zu. Die gärtnernde Popikone blieb in England nicht lange unentdeckt. Der Fernsehsender ITV engagierte Kim Wilde als Moderatorin für die Sendung Better Gardens. Die Fernsehgesellschaft Bazal (heute Endemol) folgte dem Beispiel und produzierte zwei Fernsehreihen Garden Invaders mit ihr. Auch die botanische Branche würdigte ihr gärtnerisches Talent. 2001 feierte Kim Wilde die ersten Erfolge bei der Royal Horticultural Society Show, der eine Goldmedaille und ein Best Garden Award bei der Tatton Flower Show in Cheshire folgten.

Der Durchbruch in der britischen Gartenszene gelang Kim Wilde 2005. Mit der Gestaltung des Cumbrian Fellside Garden gewann sie eine Goldmedaille und den Preis für den besten „Courtyard“ Garden bei der renommierten Chelsea Flower Show in London. Gemeinsam mit dem leitendenden Gärtner des Lakeside Hotel in Windermere gestaltete sie einen der neun "Courtyard" Gardens der Ausstellung. Sie vereinte Wildblumen, Trockensteinmauern und Schiefer als Plattenmaterial zu einem gärtnerischen Ensemble. Ihr Beitrag, der sich durch den Einsatz von rückgewonnen Materialien auszeichnete, wurde in der Kategorie des „Courtyard“ Garden preisgekrönt. Nach Aussagen Wildes hat ihr Ehemann sie mit der Schönheit Cumbrias und des Lake District vertraut gemacht. Ihre Gartengestaltung vereinte Elemente der beeindruckenden Landschaft der Region mit der Verwendung natürlicher, ortstypischer Materialien – wie grünen Schiefer – und einer besonderen Liebe zu Details: einige Haarbüschel echter cumbrischer Schafswolle hing an einem Stacheldraht, der auf der Rückseite des Gartens angeordnet war.

Neben ihrer Tätigkeit als Moderatorin für Gartensendungen im britischen Fernsehen schrieb Kim Wilde zahlreiche Artikel in Zeitungen und Zeitschriften und publizierte mehrere Bücher. Im April 2005 erschien Gardening with Children, 2006 folgte First-Time Gardener. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie einen eigenen Garten in Hertfordshire angelegt, in dem sie Hunderte von Birken, Eichen und Weiden gepflanzt hat. "Wenn ich irgendetwas Großartiges in meinem Leben vollbracht habe, dann ist es das: Ich habe einen Wald geschaffen." Das Schönste am Gärtnern ist für sie, allem beim Gedeihen zusehen zu können. „Sich mit der Natur zu beschäftigen hat etwas sehr Therapeutisches. Das ist sicher auch der Grund, warum ich ursprünglich damit anfing. Ich musste runterkommen. Abschminken, alte Klamotten anziehen, rausgehen – und dann Teil dessen zu werden, was dort vor sich geht. Das bedeutet sofortige Entspannung.“ Neben ihrem eigenen Garten hat Kim Wilde einen heimlichen Favoriten als gärtnerische Inspirationsquelle: „Der Garten von Hidcote Manor, ein Arts and Crafts Garden in den nördlichen Cotswolds, hat mich sehr beeindruckt.“

Das Interview führte Jeannine Koch.