Berliner Pflanze / Martin Gessinger

Martin Gessinger ist seit 2005 aktiver „Traceur“ und hat die Entwicklung von Parkour in Berlin maßgeblich mit vorangetrieben. Parkour ist die „Kunst der schnellen Fortbewegung“ im öffentlichen Raum, ihre Anhänger – die Traceure – legen  „Bewegungsspuren“ in der Stadt und in der Natur. Sie erklimmen Mauern, balancieren auf Treppengeländern und hangeln sich von Ast zu Ast. Trainiert wird draußen, natürliche und urbane Landschaften werden zum Sportparcours und zum gemeinschaftlichen Bewegungsraum. Entstanden ist die Bewegung, die mittlerweile weltweit ihre Anhänger hat und sich im deutschsprachigen Raum in der Community ParkourONE organisiert, in den 1980er Jahren in einer französischen Hochhaussiedlung.

Martin Gessinger - Berliner Pflanze

Parkour ist dabei für Martin Gessinger mehr als nur ein Sport, sondern vielmehr eine Lebensphilosophie: „Parkour ermöglicht es mir, Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu sehen und täglich aufs neue meine Umwelt zu hinterfragen und kritisch zu betrachten“, sagt er. In einer Charta haben die Mitglieder von ParkourONE vor Kurzem ihre Werte formuliert: Konkurrenzfreiheit, Vorsicht, Respekt, Vertrauen und Bescheidenheit.

In Berlin dient ihnen der Vorplatz zum Velodrom als zentraler Treffpunkt für ihre öffentlichen Trainings. Mittlerweile bieten hier Martin Gessinger und seine Teamkollegen auch regelmäßig Programme für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren an. Darüber hinaus sind sie in der ganzen Stadt unterwegs. Parkour steht somit auch für eine aktive Stadterfahrung – immer wieder verschiebt sich die Wahrnehmung der urbanen Landschaft.

Ihre Expertise geben die Traceure nicht nur in Workshops und Schulungen weiter – mittlerweile entwickelt die Berliner ParkOne Community auch gemeinsam mit Planern Bewegungslandschaften, die Parkour-Begeisterten möglichst viele Trainingsoptionen bietet. In Moabit ist im Juni 2013 zum Beispiel der „Zick-Zack-Zwingli“ entstanden und in Hellersdorf wurde im Mai 2014 ein neuer Parkourplatz in der Cottbusser Straße begonnen.

Seit einiger Zeit ist in Hellersdorf eine Parkour-Gruppe, die sich „Easy Movement“ nennt, aktiv. Sie setzten sich für die Errichtung des Parkourplatzes in  ihrem Viertel ein und fanden unter anderem beim Verein „Kids & Co“ in Marzahn-Hellersdorf Unterstützung. Gemeinsam mit „Easy Movement“ hat Martin Gessinger verschiedene Konzepte für die neue Bewegungslandschaft entworfen – über ihre Realisierung wurde auf eine Bürgerversammlung und im Online-Voting abgestimmt.   

Zudem zählt Martin Gessinger zu den Gründern von „Naturpfade“, wo es um das Bewegungstraining im Naturraum geht: „Wir trainieren die natürlichen und in uns tief verwurzelten Bewegungsformen des Menschen. Dadurch ermöglichen wir jedem Teilnehmer ein kraftvolleres und schmerzfreieres Alltagsleben und geben ihm die Fertigkeiten in die Hand, jedwedes physische Problem im Leben lösen zu können. Dabei verstehen wir uns als Konterbewegung zu einer rein kosmetischen Herangehensweise an Fitness, welche heute in Fitnessstudios und Internet vorherrschend ist.“ Es gehe um, „das gemeinsame Erleben von Bewegung.“