Berliner Pflanze / Thomas Mikolajski

Thomas Mikolajski – Schneehasen e.V.

Thomas Mikolajski, Jahrgang 1959 ist der Vorstandsvorsitzende der Berliner Schneehasen e. V. und stellvertretender Schulleiter an der Peter-Ustinov-Schule in Berlin-Charlottenburg. Er entstammt der „Berliner Schneehasen-Dynastie“, einem Verein für Wintersport, in dem sein Vater Gerhard Mikolajski ab 1961 als Ski-Übungsleiter und Trainer begann. Heute sind fast alle Mitglieder der Familie im Verein und Skiverband Berlin aktiv: 13 Mikolajskis aus drei Generationen bringen den Berliner Wintersport in Schwung. Die IGA Berlin 2017 traf Thomas Mikolajski zum Gespräch über Wintersport, ehrenamtliches Engagement und Schneehasen-Pilates im August.

 

Thomas Mikolajski - Berliner Schneehasen e.V. | Berliner Pflanze - Station ID

IGA: Herr Mikolajski, Sie sind mit Wintersport und dem vielfältigen ehrenamtlichen Engagement Ihrer Familie für die Berliner Schneehasen groß geworden. Ist es da schon vorgezeichnet, dass man selbst auch sportlich und aktiv ist?

TM: Das ist eine interessante Frage! Meine Eltern haben mich und meine drei Brüder nie gedrängt, besonders aktiv zu sein. Seit meiner Kindheit haben wir eine enge Bindung an den Schneesport. Wir sind jedes Jahr mindestens einmal in die Skiferien gefahren. Schneesport wurde bei uns immer intensiv gelebt, ebenso wie der Verein und der Skiverband. Jeder von uns hat dort irgendwann eine Aufgabe gesehen, die er übernehmen wollte. Aber natürlich gibt es bei sehr großem Engagement auch eine Kehrseite. Uns wurde schon nachgesagt, dass die Geschicke des Vereins beim Mittagessen im Familienkreis entschieden werden.

IGA: Ihre Familie hat die Berliner Schneehasen zu einem Verein mit umfangreichen Freizeit- und Breitensportangebot ausgebaut. Neben Ski-Kursen werden auch Fitness, Inline-Skating und Snowboard angeboten. Wie wichtig sind Trendsportarten, um Kinder und Jugendliche für mehr körperliche Aktivität und Bewegung im Freien zu begeistern?

TM: In Berlin haben wir aufgrund der Topografie und der Naturschutzbestimmungen kaum Möglichkeiten, Kinder und Jugendliche nachhaltig an den Schneesport heranzuführen, daher bieten wir Schneesportreisen an. Die Kinder und Jugendlichen erfahren dabei oft zum ersten Mal, dass man mit Schnee mehr als nur Schneeballschlachten machen kann. Der Fokus liegt dabei auf dem Ski fahren und Snowboarden – andere Trendsportarten sind für unsere Jugendlichen noch gar nicht interessant. Im Skiverband habe ich die Funktion eines Fachwarts für Schneesport an Schulen inne und organisiere Fahrten ins Alpincenter Hamburg. Die Schülerinnen und Schüler stehen zum Teil das erste Mal auf Skiern. Das allein hat schon eine ungeheure Faszination!

IGA: Wir leben heute in einer digitalen Gesellschaft, der das Schwinden authentischer Erfahrungen vorausgesagt wird. Was können sportliche Aktivität und gemeinschaftliches Engagement dem entgegensetzen?

TM: Es ist sehr wichtig, welche Impulse das Elternhaus gibt, um Kinder frühzeitig an Sport, Musik und andere kulturelle Angebote heranzuführen. Damit werden die Grundlagen gelegt, um soziale Kompetenzen auszubilden. Ich selbst habe vier Kinder und ihr Interesse an digitalen Medien ist begrenzt. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass der Kontakt mit anderen ihnen mehr bringt als 1.000 Freunde bei Facebook. Bei unseren Skireisen bleiben Handys, Tablets und Computer zu Hause. Nach einer ersten Phase des „Entzugs“ beginnt für die Kinder etwas Neues. Sie sind in der Natur und lernen durch den Sport ihren Körper und ihre persönlichen Fähigkeiten kennen. Sie erleben Wind und Sonne aber auch unterschiedliche Schneearten und Geschwindigkeiten. Das sind Dinge, die Kinder sehr intensiv auf sich zurückwerfen und neue Erfahrungen eröffnen.

IGA: Die Schule, an der Sie unterrichten, trägt den Namen des Schauspielers Peter Ustinov (1921–2004) und steht für Weltoffenheit, Verständigung und Humor. Welche Rolle kann der Sport beim Aufbau einer toleranten Gesellschaft spielen?

TM: Gemeinsam gestalten und Ziele erreichen ist eine zentrale und wichtige Erfahrung! Im Mannschaftssport versucht jedes Team zu gewinnen, es gibt Auseinandersetzungen oder vielleicht auch notwendige Aggressionen. Nach dem Spiel ist das alles vorbei und man ist einfach wieder Mensch. Sport kann viel bewirken – in alle Richtungen! Aber Siege sind nicht alles und Kinder sollten nicht wie Maschinen auf Leistung getrimmt werden. Spaß und Freude an der Sache dürfen nicht verloren gehen.

IGA: Ihre Schule macht die Schülerinnen und Schüler mit speziellen Notebook-Klassen für die Zukunft fit. Sind Bewegung, Ernährung und Gesundheit auch ein Thema? Was können die Schulen hierzu beitragen?

TM: Spontan fällt mir das Programm der „bewegten Schule“ ein. Lernen geht dabei immer mit Bewegung einher. Bewegung fördert nicht nur die Durchblutung sondern erleichtert das Lernen, da unterschiedliche Bereiche des Gehirns angesprochen werden, die das Gelernte nachhaltiger verankern. Das empfinde ich als sehr günstig. Es ist wichtig, dass die Schulpausen im Freien verbracht werden damit sich die Kinder draußen bewegen! An vielen Grundschulen gibt es schöne, gut ausgestattete Bewegungslandschaften, die Kinder spielerisch zum Balancieren, Rennen, Hängen und Hangeln animieren. Und natürlich wäre es schön, wenn jede Schule eine eigene Küche hätte, in der frisch gekocht wird!

IGA: Eine Programmatik der IGA Berlin 2017 ist dem „draußen bewegen“ gewidmet. Welche Botschaften sollten Ihrer Meinung nach von der IGA ausgehen?

TM: Mir sind Mitmach-Aktionen, bei denen Bewegung in unterschiedlichster Art und Weise stattfindet, sehr wichtig! Weltweit treffen sich Anhänger von Tai Chi und Qi Gong, um den Tag mit Sport zu beginnen. Das könnte man auch in Marzahn-Hellersdorf etablieren. Schön wäre, wenn für Kinder kleine Koch- und Ernährungsevents angeboten würden. Und vielleicht kann man eine Rundumpiste für Skater installieren. Mein Appell ist: Nicht zuschauen sondern Mitmachen!

IGA: Wie sehen die Prognosen für den Wintersport der Zukunft aus? Ist Umweltschutz in Ihrem Verein ein Thema?

TM: Im Verein und im Skiverband ist Umweltschutz natürlich ein Thema! Bei der Jugendleiter- und Skilehrerausbildung gibt es ein Modul, das sich damit auseinandersetzt. Das Verhalten in der Natur, die Müllvermeidung aber auch Mobilitätsaspekte bei der An- und Abreise sind wichtig und werden intensiv diskutiert

IGA: Sie sind Vorsitzender der Berliner Schneehasen, Fachwart für Schneesport an Schulen, und Jugendwart des Skiverbandes Berlin und gehören dem Lehrteam alpin und Snowboard des Verbandes an. Was machen Sie eigentlich im Sommer?

TM: Wie sieht mein Sommer aus (lacht)? Ich fahre viel Inline-Skates, gehe Beachvolleyball spielen, wandern oder Fahrrad fahren. Die Bergwelt bietet noch viel mehr an als Schnee und Wintersport!

IGA: Wie viel Zeit benötigen Sie im Sommer, um die Wintersaison vorzubereiten?

TM: Das Zielpublikum Familie spielt bei uns eine große Rolle. Zurzeit planen wir Familien und Kids-Teamfahrten für 2015 – da benötigen wir schon ein Jahr Vorlaufzeit. Der Verein ist außerdem nicht nur im Schneesport aktiv sondern auch ein Freizeitsportverein mit vielfältigen Kursangeboten und einem ausgeprägten Kinderturnbereich.

IGA: Sie sprachen gerade über die vielfältigen Sportangebote – wie könnte eine Beteiligung der Berliner Schneehasen auf dem IGA-Gelände aussehen?

TM: Wir könnten Flexibar-Trainings, Qi Gong oder Yoga anbieten und vielleicht Before Work-Programme. Oder Schneehasen-Pilates im August (lacht)!

IGA: Wie wirkt sich das gemeinsame Engagement für die Berliner Schneehasen auf ihr Familienleben aus? Stärkt es den Zusammenhalt oder hat man kaum noch Zeit füreinander?

TM: Die Berliner Schneehasen und der Skiverband Berlin waren in unserer Familie ein großes Thema – aber nicht ausschließlich. Das gemeinsame Engagement schweißt zusammen, birgt aber auch Konfliktpotenzial. Die Fähigkeit zur Reflexion und zur Konfliktbewältigung ist daher bei uns sehr ausgeprägt. Wenn man sich ehrenamtlich engagiert ist das auch immer Zeit, die im positiven Sinne in die Familie hinein wirkt.

IGA: Was macht Sie zu einer Berliner Pflanze?

TM: Ich bin in Berlin geboren und hier ist meine Heimat!

Das Gespräch führten Kerstin Gust und Jeannine Koch.