Berliner Pflanze / Wladimir Kaminer

Wladimir Kaminer

Der Autor und Russendisko-Erfinder Wladimir Kaminer ist ein Kind der Großstadt – aufgewachsen in Moskau und seit 1990 in Berlin lebend – und dennoch, oder vielleicht gerade deswegen, beschäftigt er sich nicht nur privat, sondern auch in seinen Büchern immer wieder mit dem Leben im Grünen.

Wladimir Kaminer | Berliner Pflanze - Interview

Angefangen hat alles mit der Sehnsucht seiner Frau nach einem kleinen Garten. So pachteten die Kaminers eine Parzelle in der Kleingartenkolonie „Bornholm 1 + 2“ im Berliner Prenzlauer Berg, die in Kaminers 2009 erschienenem Buch „ Mein Leben als Schrebergärtner“ in „Glückliche Hütten“ umgetauft wurde. Darin beschreibt er aus der Perspektive des unbedarften Neuankömmlings den Mikrokosmos Schrebergarten als „Äquivalent zur Welt“ mit all ihren Absurditäten, überraschenden Begegnungen, mit ihren eigenen Gesetzen und Sanktionen. Russische Freizeit-Datschenmentalität trifft hier auf deutsches Nutzgarten-Regelwerk. Nach jahrelangen Kampf gegen die ungezähmte Natur geben die Kaminers ihre Parzelle schließlich wegen „spontaner Vegetation“ auf, die Sehnsucht nach dem eigenem Garten blieb.

Mittlerweile besitzt die Familien ein Gartengrundstück auf dem Land – 70 Kilometer von Berlin in „Glücklitz“ mit dem angeblich nördlichsten Weinberg der Welt. „In der Großstadt vergisst man sich selbst sehr schnell. Erst in der Stille findet man sich wieder als etwas total Unwichtiges, Kleines. Und diese Verkleinerung macht einen Menschen freier", erklärt Kaminer in einem Interview die Beweggründe für sein neues Dasein als Teilzeitgärtner auf dem Lande. Der Landgarten ist um das zehnfache größer als der Schrebergarten in der Stadt – und die Kaminers bestimmen selbst, was hier wächst. Vor allem lassen sie der Natur weitestgehend ihren freien Lauf. Seine Erfahrungen mit dem gärtnerischen Landleben hat Kaminer nun in einem neuen Buch verarbeitet: „Diesseits von Eden – Neues aus dem Garten“ erscheint am 12. August 2013. Vorab hat er seinen Garten bereits für die Autorin Danuta Schmidt geöffnet und sich vor Ort für ihr Gartenbuch „Tritt ein in meinen Garten“, in dem sie zehn Prominente in ihren grünen Refugien besucht, porträtieren lassen.