Großbritannien / Great Britain "The Garden of Vulcan"

Tom Stuart-Smith

„Die Ordnung der menschlichen Dinge schritt so vorwärts: Zunächst gab es die Wälder, dann die Hütten, darauf die Dörfer, später die Städte und schließlich die Akademien.“ (Giambattista Vico, italienischer Philosoph, 1668–1744)

Vico beschreibt die Ursprünge gesellschaftlicher Entwicklung in der Wildnis des Waldes. Der Beitrag des englischen Landschaftsarchitekten Tom Stuart-Smith geht mit seiner Gartengestaltung noch einen weiteren Schritt zurück – zum Brachland, bevor Vegetation entsteht. Sein Gartenkabinett spiegelt in gewisser Weise den Vegetations- und Besiedlungsprozess wider: „Erst kommen die opportunistischen Pflanzen, die flexibel und anpassungsfähig sind, dann erobern Bäume das Gebiet. Ihnen folgen die Tiere, die ein Wegenetz aus Schneisen durch die Vegetation schlagen. Erst dann entstehen die Hütten.“

Daher soll auch die Gestaltung des Gartenkabinettes für die IGA auf einer Brache beginnen – mit der Aussaat einer Wiese aus exotischen Pflanzen, die während eines ganzen Jahres wachsen und gedeihen sollen. Im darauffolgenden Frühling soll dann ein Wegenetz aus Pfaden angelegt und Essigbäume (Rhus typhina) angepflanzt werden. Erst dann entsteht ein Ort zum Verweilen für den Menschen.

Prosaisch und mit Verweisen auf die Welt der Mythologie beschreibt Tom Stuart-Smith den weiteren Besiedlungsprozess, auf den er mit seinem Beitrag Bezug nimmt: „Die Giganten und Vulcanus, der römische Gott des Feuers und der Schmiede, schlugen Lichtungen in das üppige Walddach, um die Schmieden mit Holz zu versorgen. Damit begann der Prozess der menschlichen Besiedelung. Vulcanus war im Übrigen nicht nur der erste Schmiedemeister, sondern auch der erste gehörnte Ehemann. So ertappte er seine Gattin Venus und deren Geliebten Mars in flagranti beim Ehebruch. Mit den ersten Bauten und Wohngebäuden kam also auch die Täuschung auf.“

In seinem Gartenkabinett symbolisiert eine Betonwand die Behausung, eine lange niedrige Pritsche – ebenso aus Beton – und eine flache Eisenschüssel stehen für das Mobiliar. Der Bodenbelag kann aus Feinkies und die Gebäudefragmente umgebend aus Steinplatten bestehen, so als hätte er ein früheres Haus überdauert.

Tom Stuart-Smith Landschaftsarchitekten

Das renommierte englische Landschaftsarchitekturbüro Tom Stuart-Smith Ltd. wurde 1998 gegründet und ist in London ansässig. Das Portfolio des Büros ist komplex und umfangreich. Neben der Gestaltung von großen öffentlichen Grünflächen und Parkanlagen hat das Büro auch kleinere private Gärten geschaffen, die sich durch ihre Balance zwischen Naturalismus und Moderne auszeichnen.

Tom Stuart-Smith hat bereits mehrfach Gärten für die jährlich stattfindende Londoner „Chelsea Flower Show“ gestaltet: Acht dieser Arbeiten wurden mit Goldmedaillen ausgezeichnet, drei wurden als beste Gärten der Ausstellung prämiert. Das Gartenmuseum in London hat seine Arbeiten 2011 mit einer Ausstellung gewürdigt, die erstmalig einem lebenden englischen Landschaftsarchitekten gewidmet war.

Daten und Fakten

   

 

Planung

 

Tom Stuart-Smith Ltd.

Bauherr

Grün Berlin 2017 GmbH für das Land Berlin, Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz
Finanzierung Die Maßnahmen werden aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) mit Bundesmitteln und Mitteln des Landes Berlin, vertreten durch die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, finanziert und von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz kofinanziert.
Eröffnung 13. April 2017 zur IGA Berlin 2017